Die Zinsen für Sparprodukte sind in Deutschland aktuell historisch niedrig. Gleichzeitig beginnt aber die Inflation wieder Fahrt aufzunehmen. Langfristig führt dies zu einer Entwertung der Vermögen. Viele Anleger versuchen dies zu umgehen, indem sie sich nach renditereicheren Anlagemöglichkeiten umsehen und landen dann oftmals im Immobiliensektor. ​Grundsätzlich ist dies eine interessante Strategie, da gerade in vielen Innenstädten die Nachfrage nach Wohnraum steigt. Allerdings ist eine solche Anlage auch sehr kapital- und arbeitsintensiv. Zudem droht in einigen Gebieten langfristig eine Überhitzung des Marktes.

​Es kann daher sinnvoll sein, sich nach verwandten Anlageformen umzusehen, die ähnliche Vorteile wie der Kauf einer Immobilie mit sich bringen, bei denen die Nachfrage von Anlegerseite aber noch nicht so hoch ist. Dies ist beispielsweise bei Investitionen in Garagen und Stellplätze der Fall. Auch dieser Markt profitiert von der Entwicklung auf dem Immobilienmarkt. Denn wo mehr Leute wohnen, werden auch mehr Stellplätze benötigt. Gleichzeitig sind die Preise aber vergleichsweise niedrig, sodass sich ein attraktives Investment ergeben kann.

Daten und Fakten zu Garagen und Stellplätze (Tiefgaragen) als Renditeobjekt

In Deutschland sind aktuell mehr als 45 Millionen PKW-Fahrzeuge offiziell angemeldet. Die Nachfrage nach geeigneten Stellplätzen ist also groß. In den nächsten Jahren dürften zudem zwei Entwicklungen für eine weitere Nachfragesteigerung sorgen: Die Zahl der kostenlosen Stellplätze in den Städten nimmt zum einen immer weiter ab. Zugleich steigt die Zahl der Autos aber, weil immer mehr Familien sich einen Zweitwagen zulegen.

Für die Betreiber von Parkflächen ist das eine gute Nachricht. Insgesamt 3,5 Millionen Stellplätze werden in Deutschland von privaten Unternehmen vermietet. Die fünf großen Unternehmen der Branche – Apoca, Q-Park, Vinci Park, Interparking und NCP Parking – kommen alleine auf einen Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro jährlich.

Eine Studie der Columbia University kam vor einiger Zeit zu dem Ergebnis, dass sich mit Stellflächen eine Rendite von sechs bis acht Prozent jährlich realisieren lässt. Beobachtungen aus Deutschland scheinen die These zu stützen, dass sich mit Parkplätzen gutes Geld verdienen lässt: So sind in den Jahren 2006 bis 2010 die Parkgebühren in den Innenstädten jährlich um 4,45 Prozent gestiegen.

Vorteile von Parkplätzen als Geldanlage

Sein erspartes Geld in Parkplätze und Stellflächen zu investieren, ist in Deutschland noch eine eher ungewöhnliche Form der Geldanlage. Neben den bereits erwähnten Renditechancen, bringt diese Form der Investition aber auch noch weitere Vorteile mit sich: ​

  1. Die benötigte Investitionssumme ist vergleichsweise gering. Nicht jeder kann oder will sich eine Immobilie in Münchens bester Lage als Investitionsobjekt leisten. Parkplätze bieten aber die Möglichkeit, von einem Boom bestimmter Städte und Viertel zu profitieren, ohne übermäßig große Summen investieren zu müssen und sich der Gefahr auszusetzen, ein zu großes Klumpenrisiko im Portfolio zu haben. Investitionen in Stellflächen sind schon ab einem niedrigen fünfstelligen Betrag möglich.
  2. Der Wartungs- und Instandhaltungsaufwand ist begrenzt. Bei Immobilien sind regelmäßige Investitionen notwendig, um das Gebäude instand zu halten und die Werthaltigkeit der Anlage zu sichern. Bei Parkflächen hingegen sind die entsprechenden Kosten äußerst gering.
  3. Der Verwaltungsaufwand ist niedrig. Die Suche nach einem Mieter gestaltet sich zudem vergleichsweise einfach. So müssen beispielsweise keine Besichtigungen organisiert werden. Auch die Abrechnung gestaltet sich recht simpel, weil keine Nebenkosten umgelegt werden müssen.

Insgesamt stellen Investitionen in Parkflächen also eine interessante Möglichkeit dar, von der Entwicklung eines Stadtteils zu profitieren, ohne die hohen finanziellen und bürokratischen Hürden eines Immobilienkaufs meistern zu müssen.

Worauf beim Kauf von Garagen und Stellplätzen geachtet werden sollte

Bei Parkplätzen gilt ebenso wie bei Immobilien: Die Lage ist von entscheidender Bedeutung. So wie es – insbesondere auf dem Land – viele Häuser und Wohnungen gibt, die nur schwer zu vermieten sind, gibt es auch Parkplätze, die keine große Nachfrage besitzen. Je dichter ein Viertel allerdings besiedelt ist, desto begehrter werden auch die dort vorhandenen Stellflächen. Bestes Beispiel dafür ist der New Yorker Stadtteil Manhattan. Dort kostet es inzwischen umgerechnet rund acht Euro eine halbe Stunde zu parken. Beim Kauf von Stellflächen und Parkplätzen sollten daher drei Dinge beachtet werden:

  1. Eine Rendite ist in aller Regel nur in urbanen Gegenden zu erwarten. Auf dem Dorf oder in ländlichen Gebieten herrscht hingegen kein ausreichend großer Mangel an kostenlosen Parkplätzen, sodass es entweder schwierig ist überhaupt Mieter zu finden oder aber keine hohen Preise verlangt werden können.
  2. Vor dem Kauf sollte man sich über die aktuelle Situation in einem Gebiet informieren: Wie viele Menschen benötigen einen Parkplatz? Wie ist die Ausstattung mit kostenfreien Parkplätzen? Und: Wie viele private Parkplätze werden angeboten? Anhand dieser Einschätzungen kann dann seriös prognostiziert werden, ob eine ausreichende Nachfrage zu erwarten ist. In der Regel dürfte dies vor allem in Wohn- und Geschäftsgebieten der Fall sein.
  3. Die zukünftige Entwicklung muss im Auge behalten werden. Die Parkplatzsituation einer Gegend kann sich durch verschiedene Einflüsse verändern. So ist es beispielsweise möglich, dass eine neue eröffnete Einkaufsmall für zusätzliche Nachfrage nach Parkplätzen sorgt. Es ist aber auch denkbar, dass durch den Bau einer Tiefgarage die Nachfrage sinkt. Es ist daher ratsam, vor einer Investitionsentscheidung stets so gut wie möglich über zukünftigen Entwicklungen informiert zu sein.

So können private Anleger in Garagen investieren

Große Kapitalfonds, Versicherungen und Pensionskassen haben weltweit bereits das Potential von Investitionen in Parkplätze erkannt. Es gibt daher inzwischen eine ganze Reihe an spezialisierten Fonds, die Geld bei Investoren einsammeln und in Stellflächen investieren. Leider sind diese zumeist ausschließlich institutionellen Anlegern vorbehalten beziehungsweise verfügen über eine Mindestzeichnungshöhe, die ein Investment privater Sparer beinahe ausschließt. Es gibt allerdings einige Fonds, die in Immobilien und Infrastruktur investieren und dabei auch Parkplätze im Portfolio haben.

In aller Regel sollten Privatanleger die Stellflächen aber direkt kaufen und eigenständig vermarkten. Zu finden sind entsprechende Angebote beispielsweise auf den bekannten Immobilienportalen von „immoscout“ bis „immobilienscout24“. Als Richtwert für den Kaufpreis kann dabei in etwa das zwölf- bis vierzehnfache des Jahresertrags gelten. Mehr sollte nur bezahlt werden, wenn es sich um Stellflächen in absoluter Toplage handelt.

Umgekehrt gilt: Bei Parkplätzen mit nicht ganz idealer Lage muss der Kaufpreis etwas niedriger liegen, weil immer wieder mal mit Zeiten zu rechnen ist, in denen sich kein Mieter findet. A