Gibt es da einen Zusammenhang, zwischen dem Meißner Porzellan und unseren blauweißen Garagen in Stadtgebiet von Meißen? Außer den Farben, die an das Zwiebelmuster auf dem bekannten Porzellan erinnert? Nein. Ähnlichkeiten sind rein zufällig, aber es hat uns veranlasst, mal nachzulesen, was es mit dieser weltberühmten Porzellan-Manufaktur in Meißen auf sich hat. Und siehe da, die Geschichte ist tatsächlich höchst interessant und geprägt von idealistischem Denken, Forschergeist, politischen Strategiezügen und vor allem: Der Gier nach Gold.

Der Erfinder des ersten europäischen Hartporzellans

Der junge Johann Friedrich Böttger ging 1696 als 14-Jähriger beim Apotheker Zorn in Berlin in die Lehre und führte in dessen Apothekenlabor heimlich alchimistische Experimente durch. Um seinen Lehrherr nach dem Abschluss seiner Ausbildung 1701, von der Echtheit seiner geheimen Leidenschaft zu überzeugen, wandelte er vor dessen Augen und drei weiteren Augenzeugen, Silber in Gold um, was allen Prüfungen standhielt.

Dieses alchemistische Meisterstück verbreitete sich schnell im ganzen Land und kam dem Kurfürsten von Brandenburg zu Ohren. Der sandte Böttger daraufhin eine Vorladung ins Berliner Schloss, der er sich aber durch eine Flucht entzog (wer will schon als Zwangsarbeiter für seine Obrigkeit Gold herstellen?! Das erinnert doch gleich an „Rumpelstilzchen“!). Aufgrund einer darauffolgenden polizeilichen Suche wurde der junge Böttger aufgegriffen und eingesperrt. Durch eine Bittschrift an den Kurfürsten von Sachsen, der auch als “August der Starke” bekannt war, in dem er seine Goldherstellung erläuterte und darum bat, in Dresden Medizin studieren zu dürfen, kam er schließlich frei.

August der Starke war natürlich auch vor allem an Böttgers Fähigkeiten als „Goldmacher“ interessiert und ließ ihn unter größter Diskretion nach Dresden und im Fürstenberg’schen Haus unterbringen. Im Keller des Hauses kann er seine alchemistischen Experimente weiterführen. Allerdings muss Böttger von nun an als „Staatsgefangener“ unter ständiger Aufsicht daran arbeiten, Gold herzustellen.

Er flieht 1704 wird aber wieder eingefangen. Anschließend muss er sich verpflichten, bis Ende 1705 Gold im Wert von zehn Millionen Talern und danach jährlich Gold im Wert von 200.000 Dukaten zu liefern – was er dann allerdings nie getan hat. Nur ein einziges weiteres Mal hat er vor Zeugen einen Silber- und einen Goldklumpen hergestellt.

Der Gelehrte Ehrenfried Walter von Tschirnhaus überredete Böttger dann, an der Formel für die Herstellung von hartem Porzellan mit zu forschen – bisher gab es nämlich nur chinesisches Porzellan, und sonst nichts Vergleichbares in Europa. Tschirnhaus überzeugte auch den Kurfürsten davon, dass Böttger von der Herstellung von Gold befreit werden solle.

Die Gründungsstunde des Meißner Porzellans

Meißner Porzellan

Meißner Porzellan mit Zwiebelmuster. Foto Goldi64

Im Oktober und November 1707 wird durch die gemeinschaftliche Forschungsarbeit des Teams um Böttger, Tschirnhaus und Papst von Ohain das erste weiße europäische Hartporzellan erfunden. Böttger erfand in den Folgejahren auch noch die erste Porzellan Glasur.

Dies ist die offizielle Grundsteinlegung für die heutige Herstellung von Meißner Porzellan.

Am 23. Januar 1710 erfolgte per Dekret von August dem Starken die öffentliche Bekanntgabe einer Gründung der „Königlich-Polnischen und Kurfürstlich-Sächsischen Porzellan-Manufaktur“ in Dresden und am 6. Juni 1710 die Einrichtung ihrer Produktionsstätte in der Albrechtsburg in Meißen. Dort wurde Böttger der erste technische Leiter. Die Manufaktur ging 1806 als „Königlich-Sächsische Porzellan-Manufaktur Meißen“ aus dem Besitz der Krone in das Eigentum des sächsischen Fiskus über. Im Zuge der verfassungsmäßigen Erneuerung des staatlichen Eigentums nannte sich das Unternehmen ab 1918 „Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen“. In der DDR war die Manufaktur ein Volkseigener Betrieb. Seit dem 26. Juni 1991 firmiert sie als „Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen GmbH“, deren Gesellschafter der Freistaat Sachsen ist. Die weltweit führende Porzellanmanufaktur gehört zu den international bekanntesten deutschen Luxusmarken.

Böttger Gedenktafel

Böttgers Gedenktafel. Foto: Doris Antony, Berlin

Johann Friedrich Böttger verblieb bis zum Jahre 1714 in unfreiwilligem Gewahrsam. König August der II. (August der Starke) hatte seine Freiheitsberaubung damit begründete, dass Böttgers Freiheit aus Sicherheitsgründen solange eingeschränkt bleiben müsse, bis Böttger sein geheimes Wissen um das Gold machen geteilt habe.

Nachdem er seine persönliche Freiheit dann wiedererlangt hatte, war ihm aber nicht erlaubt, das Land zu verlassen und er musste sein Geheimnis über die Herstellung von Porzellan bewahren. Er starb 5 Jahre später an den Folgen einer Krankheit.